Was ich am aufre­gendsten finde

Manfred Hall
Veröffentlicht am Jan 1, 2018
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Herr Ernst, Sie haben Ihre Laufbahn als Lehrling begonnen und sind nun seit dem Sommer 2017 CSO der PIA Automation Holding. Erzählen Sie ein wenig von Ihrer eindrucksvollen Karriere.

Meine Ausbildung bei der IMA Automation in Amberg hat 1989 als Technischer Zeichner in der Konstruktion begonnen. In dieser Zeit habe ich schon früh meine Leidenschaft für den Maschinenbau entdeckt und wollte, wie viele, direkt nach der Ausbildung mein Wissen vertiefen und mit einem Hochschulstudium weitermachen. Die Wirtschaftskrise und einige Gespräche mit meinem Vorgesetzten sowie ein Angebot für eine direkte Weiterbeschäftigung in der Konstruktion haben mich zum Bleiben bestärkt.

Neben meiner herausfordernden Tätigkeit als Projektkonstrukteur habe ich parallel ein Fernstudium zum Maschinenbautechniker angefangen. Dies dauerte 4 Jahre und hat einige Sonn- und Feiertage in Anspruch genommen. Nach der Konstruktion und der Projektkonstruktion war die Projektleitung meine nächste berufliche Station. Da in unserem Geschäft die beste technische Lösung auch wirtschaftlich attraktiv sein muss, kam ich als Projektleiter auch immer mehr mit betriebswirtschaftlichen und kaufmännische Themen in Berührung. Von 2004-2006 habe ich nochmals „die Schulbank gedrückt“ und ein weiteres Fernstudium zum Technischen Betriebswirt absolviert.

15 Jahre bei der IMA waren extrem spannend, lehrreich und haben auch Spaß gemacht; aber dann war es so weit, mal etwas Neues auszuprobieren. So habe ich gemeinsam mit einigen ehemaligen Kollegen ein eigenes Unternehmen im Sondermaschinenbau gegründet und war dort als Technischer Geschäftsführer tätig. Nach 5 extrem spannenden und lehrreichen Jahren ging es 2010 dann zurück zur IMA, wo ich nach kurzer Station im Vertrieb als Manager New Business 2011 die Technische Leitung des Unternehmens übernehmen durfte. In dieser Zeit haben wir die Produkte weiterentwickelt, die Standardisierung ausgeweitet und die Zusammenarbeit zwischen Technik und Vertrieb weiter gestärkt.

Mit der Übernahme der IMA durch die Preh GmbH und den dazugehörenden neuen Standorten in China und USA betraute man mich mit der Leitung des Bereiches Vertrieb & Projektierung der Preh IMA Automation-Gruppe. Seit dem Sommer 2017 darf ich als CSO, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, mit meinen beiden Kollegen in der Holding die PIA-Gruppe führen.

Was waren die einprägsamsten Momente in Ihrer Laufbahn?

In über 25 Jahren Berufsleben und vielen spannenden Aufgaben und Erlebnissen, gab es viele Höhen aber auch Tiefen. Als Technischer Zeichner war es faszinierend, die am Zeichenbrett selbst geschaffenen Lösungen zum ersten Mal in der Montagehalle funktionieren zu sehen. Auch die erste Präsentation als Projektkonstrukteur beim Kunden und das Feedback, das man von externen Dritten bekommt, waren sehr einprägsam. Was ich auch heute noch immer mit am aufregendsten finde, sind die Gespräche mit Kollegen, Lieferanten und Kunden, wenn wir gemeinsam nach innovativen Lösungen suchen. Es ist immer wieder erstaunlich, was man im Team und mit dem nötigen Willen alles schaffen kann.

Wie war Ihre Lehrlingszeit: Was blieb positiv, was negativ in Erinnerung?

In der Ausbildungszeit habe ich die Leidenschaft zu meinem Beruf geweckt und das Fundament für meine berufliche Laufbahn gelegt. Hier konnte ich in einem optimalen Umfeld meine Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln. Was rückblickend gefehlt hat, waren Fremdsprachen im Ausbildungsplan. Heute ist die Situation besser. „Unvergesslich“ bleibt das Feilen in den ersten 3 Monaten meiner Lehre: Es war mühsam das Metall zu bearbeiten und dann auch noch die geforderten Genauigkeiten einzuhalten. Das Positive daran war aber, dass man dabei ein Gefühl für das Material und die wichtigsten Anforderungen des Berufes bekam… Präzision, Ausdauer und Sorgfalt.

Welchen Stellenwert haben Lehrlinge bei PIA?

Dieses Thema ist für die PIA sehr wichtig und die Wertschätzung gegenüber Lehrlingen ist seit Jahren sehr hoch. Der Arbeitsmarkt ist heute mehr denn je stark umkämpft: Findet man nicht die richtigen Leute, dann muss man sie eben selbst ausbilden. Man darf dabei eines nicht vergessen: Wir benötigen Spezialisten, die es „nicht von der Stange“ gibt. Welchen Stellenwert die Lehrlingsausbildung für uns hat, zeigt auch der Umstand, dass wir eigene Ausbildungsabteilungen an unseren Standorten haben und wie viel Zeit und Mittel hier investiert werden. Die jährlichen Auszeichnungen unserer Absolventen sowie die vielen Fach- und Führungskräfte, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen, unterstreichen die Bedeutung der PIA-Ausbildung.

Warum sollte man eine Lehre bei PIA starten? Was ist der USP?

Unser USP liegt in der Kombination der reinen Lehrlingsausbildung und der aktiven Mitarbeit an Kundenprojekten. In der Ausbildungswerkstatt werden die fachlichen Grundlagen vermittelt, welche dann in der Praxis und der Mitarbeit an Kundenprojekten umgesetzt und weiter vertieft werden. Die Erfahrungen einer abteilungsübergreifenden Teamarbeit sind im Projektgeschäft besonders wichtig und werden den Auszubildenden früh vermittelt. Weiterer USP sind die vielen Möglichkeiten, die es innerhalb der PIA-Gruppe gibt: Das bezieht sowohl auf den Inhalt als auch auf den Standort. Wenn man z.B. eine Ausbildung zum Mechatroniker macht, kann man später noch in die Konstruktion, den Vertrieb oder die Projektleitung wechseln. Oder man verbringt eine gewisse Zeit an einem ausländischen Standort der PIA-Gruppe. Wir bieten eine qualitativ hochwertige und sehr abwechslungsreiche Ausbildung an. Da wir vom Design über den eigentlichen Anlagenbau bis hin zum Service alles abdecken, gibt es für jeden eine interessante Aufgabe bei PIA. Und wenn Leistung und Motivation stimmen, haben Sie nach der Ausbildung auch schon einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche.

Welche Fachbereiche sind derzeit am gefragtesten?

Das sind vor allem die technischen Fachbereiche wie Produktdesigner, Mechatroniker, Programmierer und Zerspanungsmechaniker.

Lehrling damals und heute: Wie hat sich die Ausbildung (Stichwort: Industrie 4.0) verändert?

Heutzutage ist Ausbildung ohne Computer nicht mehr möglich: An der Digitalisierung kommt man nicht mehr vorbei. Daher hat der klassische Mechaniker auch seit längerem ausgedient. Alles wird bzw. ist digital und daher muss man sich als Auszubildender auch mit den neuen Medien auseinandersetzen, was für die Jugend von heute aber auch kein großes Problem darstellt. Industrie 4.0 bietet große Chancen zur Weiterentwicklung und das aktuelle Jahrhundert wird sicher nicht mehr von den mechanischen Maschinen dominiert. Das Verständnis für die Mechatronik ist heute ein Muss und auch eine Chance für jeden Mitarbeiter und der Anteil der Digitalisierung wird noch weiter zunehmen.

Lehrlinge im Zeitalter der industriellen Revolution: Noch zeitgemäß?

Auf jeden Fall, weil man als Lehrling früh in den Beruf einsteigt, neben der Theorie der Praxisbezug sehr groß ist und die Unternehmensabläufe hautnah erfahren kann. Die Möglichkeiten nach der Ausbildung sind heute fast unbegrenzt und mit dem Gelernten stehen einem auch danach noch alle Türen offen. Ich habe in der Ausbildung meine Leidenschaft für den Beruf und die Branche entdeckt. Ich bin mir sicher, dass eine gute Ausbildung auch heute noch der Start für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn sein kann.

Wenn Sie zurückblicken: Würden Sie – mit dem Wissen von heute – alles gleichmachen?

Es gab durchaus auch den einen oder anderen Rückschlag in meiner beruflichen Laufbahn, aber davon darf man sich einfach nicht entmutigen lassen. Die Devise lautet: Aufstehen und weitermachen! Also ja, ich würde „alles“ wieder so machen – das Ergebnis passt ja (lacht).

Welche Tipps haben Sie für Lehrlinge?

Wichtig ist, dass man macht, was einem wirklichen Spaß bringt: Erfolg kommt, wenn man Freude an der Arbeit und Leidenschaft für den Beruf hat. Praktika, Ausbildungsmessen und Gespräche mit Bekannten in verschiedenen Berufszweigen helfen, die Berufung zu finden. Das lebenslange Lernen ist ein sehr entscheidender Faktor, heute wahrscheinlich mehr als früher. Die Grundausbildung legt die Basis für die Zukunft. Meine Erfahrung hat auch gezeigt, dass es wichtig ist, Interesse zu zeigen, genau zuzuhören und Fragen zu stellen. Man sollte sich nicht zu schnell von seinem Weg abbringen lassen, auch mal Herausforderungen annehmen, mitunter führt auch ein „Umweg“ zum Ziel.

Herr Ernst, vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

Das Interview führte Manfred Hall.