Coach und Spiel­führer

Manfred Hall
Veröffentlicht am Jan 1, 2018
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Herr Linden, seit dem Sommer 2017 sind Sie CEO der PIA Automation Holding. Was hat Sie am Job gereizt?

Da waren vor allem 2 Faktoren ausschlaggebend: Zum einen ist die Automatisierung eine Wachstumsbranche mit enormem Zukunftspotential. Und zum anderen hat PIA keine erlahmende Konzernstruktur, sondern eine ideale Unternehmensgröße. Mit dieser Größe und der globalen Präsenz kann man etwas verändern und bewirken. Die Herausforderung ist jetzt, die Balance zu finden einerseits hinsichtlich unseres Wachstums, und andererseits im Spannungsfeld zwischen Holding / Synergien und eigenständigen Gesellschaften

Erzählen Sie kurz von Ihren letzten Karrierestationen.

Ich war zuletzt als Geschäftsführer für die Schuler Pressen GmbH tätig. Zuvor hatte ich die Geschäftsführung des Verpackungsmaschinenbaues Metallverpackungsspezialisten Mall + Herlan inne. Ich verfüge also über eine langjährige Managementerfahrung im Bereich des Maschinenbaus, die ich nun als CEO der PIA-Gruppe einsetzen kann.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten CEO aus?

Ein guter CEO ist sowohl Coach als auch Spielführer – je nachdem, was das Team gerade benötigt. Er erreicht, dass er mit der Mannschaft ein gemeinsames Ziel verfolgt. Er unterstützt und beschützt sein Team. Gegenüber Abweichlern ist er nur bedingt kompromissbereit. Gemeinsam muss an einem Strang gezogen werden: Das Miteinander und der Umgang untereinander stehen ganz klar im Vordergrund, damit gemeinsame Erfolge erreicht werden. Ich selbst arbeite gerne mit einem großen Freiraum. Und diesen Freiraum biete ich in gewisser Weise auch meinen Mitarbeitern an: Gemeinsam wird ein Ziel definiert, wie dieses letztendlich erreicht wird, entscheidet jeder Mitarbeiter oftmals für sich selbst. So schafft man ein inspirierendes Umfeld.

Welchen Tipp haben Sie für junge Führungskräfte?

Geht unbedingt eine gewisse Zeit ins Ausland. Unsere Mitarbeiter haben es damit leicht: PIA bietet diese Möglichkeit jedem einzelnen an.

Maschinen- und Anlagenbauer gibt es viele. Worin unterscheidet sich PIA von anderen?

PIA kann mit folgenden Worten beschrieben werden: Passion, Inspiration, Ambition. Und genau diese Kombination macht uns besonders. Jedes Projekt benötigt eine innovative Lösung; aber nur mit der richtigen Leidenschaft, kann aus etwas Gutem etwas Besonderes, etwas Einzigartiges werden. Außergewöhnlich sind bei uns auch die einzelnen Standorte und ihre Expertise.

Die PIA-Gruppe hat 9 Standorte mit 1.250 Mitarbeitern. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, damit alle „an einem Strang ziehen“?

In der neu formierten PIA-Gruppe kann man auf einen Erfahrungsschatz aller unserer Mitarbeiter von über 10.000 Jahren zurückgreifen. Da sich dieser allerdings auf 9 Standorte und viele Menschen verteilt, ist das Abrufen dieses Know-hows nicht so einfach. Um die Synergien innerhalb der PIA-Gruppe bestmöglich nutzen zu können, wurde „olymPIA 2020“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projektes sollen die Prozesse aller Standorte geprüft und Best practice-Beispiele identifiziert werden, um die Effizienz der gesamten Gruppe zu steigern. Ein ganz entscheidender Punkt von „olymPIA 2020“ ist, dass ein Wir-Gefühl in der Gruppe entstehen und gefestigt werden soll. Wir alle sind PIA und was uns gemeinsam antreibt ist die Leidenschaft an der Automation. Oder anders formuliert: United by team, driven by passion. 

Wo steht PIA nach olymPIA?

Bis 2020 soll erreicht werden, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. Dazu sollen die Stärken eines jeden PIA-Standorts ausgebaut werden. Es wird ein Gefühl der Identität entstanden sein: Jeder Standort sieht sich als Teil der PIA-Gruppe. Und man hat eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft, die ja Voraussetzung für selbstbestimmte und eigenständiges Handeln ist.

Der Kampf um qualifizierte Mitarbeiter ist hart. Was planen Sie, um die besten Köpfe zu finden und zu halten?

Wir müssen uns attraktiv aufstellen und jedem klar machen, dass PIA mehr ist als nur ein Arbeitsplatz. Für uns zählt, dass unsere Mitarbeiter gerne bei uns arbeiten und ihre Arbeit mit einem Lächeln beginnen. In unserer „PIA Academy“ werden Fachseminare, Persönlichkeitstrainings und Schulungen zur Steigerung der interkulturellen Kompetenzen durchgeführt. Mittels gezielter Aktionen bildet „PIA Life“ die Basis für Gesundheit und Motivation. Was auch für uns spricht, ist die Flexibilität eines Unternehmens unserer Größe und gleichzeitig unser weltweiter Footprint. Zweiteres ermöglicht, dass jeder Mitarbeiter die Chance hat, an einem anderen PIA-Standort zu arbeiten. Unter dem Stichwort Stabilität ist seitens des Managements dafür Sorge zu tragen, dass das Unternehmen erfolgreich und damit ein sicherer Hafen für das Personal bleibt.

Welche Leute bzw. Fachbereiche wird PIA in Zukunft benötigen?

Die Frage ist einfach zu beantworten: Alle! In unserer Mannschaft gibt es unterschiedliche Aufgaben, für die Mitarbeiter mit Motivation und Leidenschaft gebraucht werden. Ein richtiger PIAthlet muss also folgende Eigenschaften mitbringen: Passion, Inspiration, Ambition. Kurz: PIA! Im Sog von Industrie 4.0 werden allerdings Bereiche wie Mechatronik und Software, also der Umgang mit Informationen, immer wichtiger.

Was versteht PIA unter „Industrie 4.0“?

Für Industrie 4.0 gibt es keine eindeutige Definition. Es ist vielmehr ein Oberbegriff für einen Strauß an verschiedenen Technologien und Anwendungen. Wir bei PIA konzentrieren uns dabei voll und ganz auf den Themenbereich Big Data & Analytics. Es geht also darum, Daten zu analysieren, um uns aus der deskriptiven und diagnostizierenden Situation in die präventive vorzuarbeiten.

E-Mobility ist mehr denn je ein heißes Eisen. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für die PIA-Gruppe?

Prinzipiell kann keiner sagen, wie schnell sich welche Art der Veränderung letztendlich durchsetzt. Was wir aber erkennen ist, dass jeder technologische Wandel mit großen Investitionsvorhaben in Form von Produktions- und Montageanlagen einhergeht. Das heißt das Volumen des von uns adressierbaren Marktes wird vergrößert, was wiederum eine enorme Gelegenheit für uns ist. Diese müssen wir im Falle der E-Mobility ergreifen, solange sie existiert.

Wo sehen Sie PIA in 10 Jahren?

Wir wollen PIA zu einer innovativen und flexiblen Organisation entwickeln, die sich veränderten Situationen optimal anpasst. Um ehrlich zu sein: Das ist PIA schon heute. Als Unternehmensgruppe mit Verantwortung wollen wir aber auch einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dies beinhaltet sowohl unsere Mitarbeiter, deren Familien als auch die Regionen, in denen wir tätig sind.

Herr Linden, vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

Das Interview führte Manfred Hall.